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Viel Spaß und gute Unterhaltung im KoKi Bremerhaven!

 

 

 

Unser aktuelles Koki Filmprogramm

02.05.2012 In guten Händen 18.00/2030

Der englische Originaltitel dieses Films lautet „Hysteria“ und das zielt genau darauf ab, worum es geht (bzw. gehen sollte). Im England des ausgehenden 19. Jahrhunderts war man davon überzeugt, dass bestimmte Frauenkrankheiten der „Hysterie“ geschuldet seien und mit intensiver Massage der intimsten Körperteile geheilt werden könnten – bis zum erlösenden „Krampfanfall“. Dem jungen Arzt Mortimer Granville (Hugh Dancy) gelingt diese Behandlung der Damenwelt besonders gut und die Patientinnen stehen Schlange. Sein Chef Robert Dalrymple (Jonathan Price) ist begeistert und will dem jungen Kompagnon gleich seine Tochter Emily als zukünftige Ehefrau schmackhaft machen. Wenn da nicht auch noch Emilys Schwester Charlotte (Maggie Gyllenhaal) wäre... Als Granville die mittlerweile schmerzenden Hände versagen, gelingt ihm zusammen mit seinem Freund Edmund (Rupert Everett) der ganz große Coup: der erste elektrisch betriebene Vibrator erblickt das Licht der Welt. Wer allerdings in dem Film von Tanya Wexler sexuell handfestes erwartet, wird bitter enttäuscht werden. Entblößt wird bei den Damen allerhöchstens einmal ein Fußknöchel. Dieser hoch amüsante Kostümfilm verhüllt mehr als er zeigt und beweist damit umso mehr seine Klasse. Dazu kommen die wunderbar geschliffenen Dialoge von Hugh Dancy und Maggie Gyllenhaal, die ein Paar wie Nitro und Glyzerin verkörpern und ihnen ebenbürtig ist Rupert Everett als ein Oscar Wilde der Elektrotechnik. Eine überaus gelungene Komödie über das Leben im viktorianischen London in leichtem Erzählton und stimmiger Atmosphäre. „Very british und very vergnüglich“, wie das Fachblatt für Frauenfragen „Brigitte“ urteilte.

Großbritannien 2011,
Regie: Tanya Wexler,
Darsteller: Hugh Dancy, Maggie Gyllenhaal, Jonathan Price,
ab 12,
100 min

09.05.2012 The Artist 18.00/20.30

Im Jahre 2011 einen Stummfilm in Schwarz-Weiß zu drehen, der auch noch den Anspruch hat, die Kassen zu füllen, erscheint einigermaßen grotesk. Der Regisseur Michel Hazanavicius hatte dementsprechend auch erhebliche Schwierigkeiten, sein Filmprojekt ins Laufen zu bringen. Alle lachten ihn aus, Freunde, Schauspieler, Produzenten. Er stellte seinen Film „The Artist“ dennoch fertig – und gewann im Februar mehrere Oscars am Stück. Hazanavicius erzählt von George Valentin (Jean Dujardin), einem großen Star des Hollywood-Kinos Ende der 20-er Jahre. Doch die Ära des Stummfilms geht 1928/29 abrupt zuende und reißt Valentins Karriere mit in den Abgrund. Die junge Statistin Peppy Miller (Berenice Bejo) nimmt den umgekehrten Weg. Schnell steigt sie vom Sternchen zum Star auf. Das ist nicht gerade die ideale Basis für eine harmonische Liebesbeziehung… „The Artist“ erzählt die Geschichte zweier Schicksale und ist eine Hommage an das Kino mit all seinen technischen Wandlungen. Ein Filmereignis – und alles ohne Worte. Wie schon Nora Desmond, ein anderer Star der Stummfilm-Ära, in Billy Wilders Film „Sunset Boulevard“ bemerkte: „Wir brauchten keine Dialoge. Wir hatten Gesichter!“

Frankreich 2011,
Regie: Michel Hazanavicius,
Darsteller: Jean Dujardin, Berenice Bejo, John Goodman (und Uggy alias Jack, der kleine treue Terrier),
ab 6,
100 min

16.05.2012 Once Upon a Time in Anatolia 17:30/20:30

Tiefste Nacht. Nur ein paar Lichter, die sich hin und her bewegen. Es sind die Scheinwerfer eines Fahrzeugkonvois, der auf den kiesbedeckten Straßen der Osttürkei nur langsam vorankommt. Polizei, ein par Soldaten, ein Staatsanwalt, ein Kommissar, ein Gerichtsmediziner. Und zwei Mordverdächtige. Die sollen den ganzen Trupp zu der Stelle führen, an der sie einen Mann umgebracht und vergraben haben sollen. Die Stimmung ist nicht gerade gut, bei keinem der Beteiligten. Alle hassen diesen nächtlichen Auftrag und wollen eigentlich nur nach Hause. Die aufkommenden Konflikte der Konvoi-Insassen tippt der Regisseur Nuri Bilge Ceylan nur an und doch stehen sie dem Zuschauer überdeutlich vor Augen. Immer wieder sieht man unnachgiebige Nahaufnahmen der Gesichter der Protagonisten. Lange Einstellungen illustrieren die quälende Suche dieser einen Nacht, die nicht zu Ende gehen will. Ceylan präsentiert seine Geschichte über Schuld und Sühne, Verrat und Loyalität in einer Art Polizeifilm, der auch als entschleunigter Western durchgehen könnte. Die Kamera zeigt aber auch in exquisiten Panorama-Aufnahmen die monumentale anatolische Landschaft und scheint sich in ihr zu verlieren. Das hat etwas märchenhaftes und nicht umsonst heißt der Film „Once Upon a Time …“ Er begeisterte beim letzten Filmfestival in Cannes die Jury und bekam den Preis für die beste Regie.

Türkei 2011,
Regie: Nuri Bilge Ceylan,
Darsteller: Ercan Kesal, Firat Tanis, Ahmet Mumtaz Taylan,
ohne Altersangabe,
150 min,
Original mit Untertiteln

23.05.2012 Huhn mit Pflaumen 18.00/20.30

Teheran 1958: Nasser-Ali Khan (Mathieu Amalric) ist der größte Geiger seiner Zeit. Doch da geht bei einem Streit mit seiner zänkischen Ehefrau sein Instrument zu Bruch. Eine Welt, nein, seine Welt stürzt für ihn ein. Eine Ersatzgeige kann ihn über den Verlust nicht hinwegtrösten, auch wenn es angeblich eine Stradivari aus Mozart-Beständen sein soll. An dem zutiefst Erschütterten zieht in Episoden sein Leben vorüber. Besonders intensiv spürt er noch einmal die starke, aber unerfüllt gebliebene Liebe zu der schönen Irane, die ihn dazu befähigte, seinem Instrument die schönsten und melancholischsten Töne zu entlocken. „Huhn mit Pflaumen“ ist ein Märchen, das in seinem nostalgisch-verspielten Stil an „Die fabelhafte Welt der Amelie“ erinnert. Die in Frankreich lebende Regisseurin Marjane Satrapi ist von Hause aus eigentlich Comic-Zeichnerin, ihre kunstvolle „Persepolis“-Verfilmung gewann 2007 zahlreiche Preise. In „Huhn mit Pflaumen“ setzt sie ihre Zeichnungen in reale Bilder um (auch wenn die Kulisse Teherans im Studio Berlin-Babelsberg nachgebaut wurde). Der Film zeigt auch, wie modern und europäisch geprägt das Leben im Iran der 50-er Jahre gewesen ist, das islamistische Regime von heute wirkt wie aus der Zeit gefallen. „Es ist der Traum von einem längst vergangenen Iran, von einer Demokratie, die es hätte geben können“.

Frankreich 2011,
Regie: Marjane Satrapi und Vincent Paronnaud,
Darsteller: Mathieu Amalric,
Isabella Rossellini,
Chiara Mastroianni,
ab 12, 90 min

30.05.2012 Barbara 18.00/20.30

Berlin (Ost) 1980: Barbara (Nina Hoss), eine junge Ärztin an der Charite, stellt einen Ausreiseantrag, um endlich ihrem Geliebten Jörg aus dem Westen (Mark Waschke) nahe sein zu können. Das geht nicht gut aus. Sie wird an ein Kinder-Krankenhaus in der sächsischen Provinz strafversetzt, weit weg von allem und jedem. Trotz weiter andauernder Überwachung durch die Stasi gibt sie nicht klein bei und bereitet ihre Republikflucht vor. Doch die Begegnung mit ihrem neuen Chef Andre (Ronald Zehrfeld) bringt ihre Pläne ins Wanken. Ist er in sie verliebt oder doch nur ein weiterer Spitzel, der sie aushorchen soll ? Nina Hoss gibt ihrer Figur, wieder einmal, eine ganz enorme Dichte und Vielschichtigkeit und auch Ronald Zehrfeld ist eine schauspielerische Entdeckung. Regisseur Christian Petzold hat mit „Barbara“ eine hochspannende, dicht erzählte Liebesgeschichte geschaffen, die wie nebenher die gesellschaftliche Atmosphäre im sogenannten Arbeiter- und Bauernstaat grandios einfängt. Er macht sich nicht lustig über die DDR, er dämonisiert sie auch nicht, er schildert einfach das Leben in ihr. Gelingen konnte ihm, dem Westdeutschen, das nur, weil seine Eltern von dort stammen und die Familie sich so oft wie möglich zum Besuch der Verwandtschaft in Thüringen und Sachsen aufgehalten hat. Bei der Berlinale gab es dafür den Bären für die beste Regie.

Deutschland 2012,
Regie: Christian Petzold,
Darsteller: Nina Hoss, Ronald Zehrfeld, Mark Waschke,
ab 12,
105 min 

Vorschau 05.2012


02.06.2012         Lange Nacht der Kultur 

18.00     Einstimmung am Klavier mit Filmmusik und Gewinnspiel

18.30     Goldrausch (mit Live-Klavierbegleitung Guido Solarek)

20.30     Pina 3D