04.01.2012 Melancholia 17.45/20.30
Ein gewaltiger Planet, Melancholia mit Namen, hat sich aus den Tiefen des Weltraumes auf den Weg gemacht mit dem Ziel die Erde zu zerstören. Er hat alle Gestirne des Sonnensystems passiert, ohne eine Kollision zu verursachen, sich hinter der Sonne versteckt, als ob er nichts Böses im Schilde führe, um dann der finalen Kollision mit dem Blauen Planeten zuzusteuern. Melancholie heißt auch die Krankheit, an der Justine (Kirsten Dunst) leidet. Zuerst bemerkt man davon wenig. Es ist ihr Hochzeitstag, gemeinhin ja der schönste Tag im Leben. Bald jedoch werfen sich dunkle Schatten über die Hochzeitsfeier, die schließlich in einer Katastrophe mündet. Damit endet der erste Teil des Films, nach Justine benannt, und der zweite, Claire mit Namen, beginnt. Claire (Charlotte Gainsbourg) ist Justines Schwester und nimmt diese nach der aus dem Ruder gelaufenen Hochzeit bei sich auf. Die Lage bessert sich jedoch keineswegs. Kann sie auch gar nicht, denn der unheilbringende dunkle Planet nähert sich der Erde im Höchsttempo. In einem gewaltigen Prolog nimmt Regisseur Lars von Trier den kollektiven Untergang bereits vorweg. Er gibt dem Zuschauer gar nicht erst die Möglichkeit, sich dem Unausweichlichen zu entziehen. „Melancholia“ ist eine apokalyptische Verkündigung des Endes der Welt. Man fragt sich unwillkürlich, was nach diesem Film eigentlich noch kommen soll. Er sprengt die Grenzen des Filmemachens und beweist einmal mehr, dass Lars von Trier einer der größten Regisseure unserer Zeit ist.
Dänemark 2011, Regie: Lars von Trier, Darsteller: Kirsten Dunst, Charlotte Gainsbourg, Charlotte Rampling,
ab 12,
136 min
11.01.2012 Gerhard Richter Painting 18.00/20.30
„Malen ist eine heimliche Angelegenheit“ sagt Gerhard Richter und ob er das könne, Malen unter Beobachtung. Eingewilligt hat der publikumsscheue Künstler trotzdem, dass die Kölner Filmemacherin Corinna Belz seinen buchstäblich vielschichtigen künstlerischen Schaffensprozess mit der Kamera begleitet. Hoch konzentriert sieht man ihn bei seiner ruhigen, fast schon meditativen Arbeit in seinem Atelier. Der Film solle den Zuschauer teilhaben lassen „am empfindlichen, künstlerischen Prozess von Machen, Betrachten, Urteilen, Zerstören, Machen, Warten und Zeigen“ schreibt die Regisseurin. Sie fängt die Entstehung der Bilder ein vom ersten Pinselstrich bis zum letzten kritischen Blick. „Am Anfang kann ich draufschmieren, was ich will“, sagt Richter. „Dadurch wird ein Zustand erreicht, auf den ich reagieren muss“. Es folgt eine neue Schicht, er verwirft, kratzt ab, übermalt. Aufnahmen bei Vorbereitungen zu Ausstellungen in Köln, London und New York runden den Film ab. Es wird nicht viel gesprochen in diesen knapp 100 Kinominuten, einige trockene, selbstironische Bemerkungen – und doch entsteht allein durch den künstlerischen Akt eine ungeheure Spannung. Gerhard Richter gilt als einer der wichtigsten zeitgenössischen Künstler Deutschlands. 1932 in Dresden geboren und 1961 aus der DDR geflohen, machte er im Westen Karriere. 2002 widmete ihm das Museum of Modern Art in New York die größte Ausstellung, die ein lebender Maler je bekommen hat. Aber auch er steht hin und wieder vor seiner Leinwand und sagt zu einem ersten Farbauftrag: „Schwer zu sagen, könnte besser sein“.
Deutschland 2011
Regie: Corinna Belz, Dokumentation,
ohne Altersbeschränkung,
97 min
18.01.2012 Die Liebesfälscher 18.00/20.30
Original oder Fälschung ? könnte als Motto über diesem Film stehen. Der englische Schriftsteller James (William Shimell) stellt auf einer Lesereise in Italien sein neues Buch vor. Es handelt vor allem davon, wie sich Original und Kopie in der Malerei zueinander verhalten. Können perfekte Fälschungen nicht die gleiche Wirkung auf den Betrachter entfalten wie die Originale? Auf der Reise lernt er „Sie“ kennen (Juliette Binoche). Von Anfang an verstehen sich die beiden und in der nächsten Bar hält sie jemand für ein altes Ehepaar – „das sieht man gleich“ – beide korrigieren den Irrtum nicht. Können sie als Kopie bestehen, besser als das Original? Oder sehen wir etwa zwei Menschen, die sich bereits lange kennen und war der erste Teil des Films eine Fälschung? Das Rätselspiel kann beginnen. Vor der wunderbaren Kulisse der Toskana durchläuft die Beziehung an einem Tag alle Stationen der Liebe, von der ersten Anziehung bis zum wehmütigen Ende. Juliette Binoche läuft in ihrer Rolle zur Höchstform auf und erhielt für diese Leistung in Cannes den Preis für die beste Darstellerin. Der iranische Regisseur Abbas Kiarostami ist unter anderem durch seinen Film „Der Geschmack der Kirsche“ bekannt geworden. Mit „Die Liebesfälscher“ gelang ihm ein verschlungenes und immer interessanter werdendes Vexierspiel über Schein und Sein und die trügerische menschliche Wahrnehmung.
Frankreich 2010,
Regie: Abbas Kiarostami, Darsteller: Juliette Binoche, William Shimell, Jean-Claude Carriere,
ohne Altersbeschränkung,
106 min
25.01.2012 Die Haut, in der ich wohne 18.00/20.30
Dr. Robert Ledgard (Antonio Banderas) betreibt eine Schönheits-Klinik bei Toledo. Bevölkert wird diese Klinik allerdings nur von einer einzigen Patientin, der schönen Vera Cruz (Elena Anaya). Mehr braucht der Doktor nicht, um der Erreichung seines Lebenszieles nahe zu kommen, der Erschaffung der perfekten Haut. Seine Neuschöpfung ist widerstandsfähiger als normale menschliche Haut, sieht aber genauso schön aus, ja, noch schöner, geradezu makellos. Mit dieser seiner Erfindung überzieht er Vera nach und nach, wie ein moderner Dr. Frankenstein. Er hat sein schauriges Handwerk gut im Griff, bis eines Tages seine Haushälterin ihren kriminellen Sohn in die Klinik bringt. Da eskaliert die Lage und es wird klar, dass alle Beteiligten ein dunkles Geheimnis in sich tragen. In einer gewaltigen Rolle rückwärts erzählt der Film die Vorgeschichte der Figuren, die zum Bösesten fähig sind, selber aber auch viel Leid ertragen haben. „Ich trage den Wahnsinn in meinen Eingeweiden“, sagt die Haushälterin und das können eigentlich sämtliche Akteure von sich behaupten. Sie stecken sozusagen alle in der falschen Haut. Da man als Zuschauer instinktiv weiß, wie sich so etwas anfühlen kann, geht das Geschehen auf der Leinwand tatsächlich mühelos „unter die Haut“. Der Film entwickelt sich zu einem, allerdings völlig unblutigen, Horror-Thriller - mit einer gänzlich unerwarteten Wendung und Auflösung. Man sollte also nicht vorzeitig das Kino verlassen (aber wer tut das schon bei einem Film von Pedro Almodovar…).
Spanien 2011,
Regie: Pedro Almodovar,
Darsteller: Elena Anaya, Antonio Banderas, Marisa Paredes,
ab 16,
117 min