Kommunales Kino Bremerhaven > Filmarchiv > 2011 > Koki Filmprogramm 02.2011

2.2. "Fair Game" 18.00/20.30

Das Leben schreibt immer noch die besten Geschichten und auch die spannendsten und aufwühlendsten. Der neue US-Thriller „Fair Game“ ist ein Beispiel dafür, daß dieses Klischee immer wieder wahr wird. George Bush junior brauchte im Jahre 2003 einen triftigen Grund, den Irak anzugreifen. Daß seine angeblichen Beweise, Diktator Saddam Hussein besitze Atomwaffen, allesamt gefälscht waren, scherte ihn nicht. Der Diplomat Joseph Wilson machte den Skandal öffentlich – und bekam die geballte Macht des Imperiums zu spüren und seine Frau Valerie Plame gleich mit. Im Zuge des einsetzenden Rachefeldzuges wird Plame vom Weißen Haus als CIA-Agentin enttarnt. Die Familie sieht sich nun von allen Seiten übelster Verfolgung ausgesetzt. Die bis dahin glückliche Ehe droht daran zugrunde zu gehen. Der Regisseur Doug Liman hat diese wahren Geschehnisse in einen mitreißenden Agenten-Thriller verwandelt, wie ihn nach wie vor Hollywood am besten drehen kann. In den Hauptrollen glänzen Sean Penn und Naomi Watts. Der Film weiß immer dann am stärksten zu überzeugen, wenn er sich auf die Innensicht des Ehepaares Wilson/Plame konzentriert. Da wird ganz besonders deutlich, was es mit dem englischen Begriff fair game auf sich hat. Er bedeutet eben nicht nur „faires Spiel“ (in diesem Fall sogar ganz und gar nicht), sondern auch und hier ganz besonders „Freiwild“.

USA 2010, Regie: Doug Liman, Darsteller: Naomi Watts, Sean Penn, Sam Shepard, ab 12, 106 min

9.2. " The Kids Are All Right" 18.00/20.30

Das lesbische Ehepaar Nic (Annette Bening) und Jules (Julianne Moore) lebt glücklich und zufrieden im Süden Kaliforniens. Zwei Kinder komplettieren das Familienglück. Die 18-Joni und der 15-jährige Laser haben, per künstlicher Befruchtung, denselben Erzeuger. Als Joni ihren biologischen Vater endlich kennenlernen will, beginnen die Probleme. Als Samenspender entpuppt sich der entspannte und freundliche Restaurant-Besitzer Paul (Mark Ruffalo). Immer mehr nimmt er teil am Leben der vier. Dramatik stellt sich ein, als er mit der ehelich frustrierten Jules eine Affäre beginnt. Die Regisseurin Lisa Cholodenko erzählt wunderbar leichtfüßig und mit warmherzigem, zuweilen auch etwas derbem Humor vom Familienleben lesbischer und auch heterosexueller Paare. Sämtliche Klischees werden ordentlich gegen den Strich gebürstet. Der Film macht dank seiner hervorragenden Darsteller und seines amüsanten Drehbuchs einfach Spaß. Die pointierten Dialoge treffen ins Schwarze und sind dabei doch nie böse oder verletzend. „The Kids Are All Right“ lief außer Konkurrenz im Wettbewerb der letzten Berlinale. Bei der anwesenden Journalisten-Schar sorgte die Komödie, nach bisweilen anstrengendem Wettbewerbs-Programm, für großen und befreiten Applaus.

USA 2010, Regie: Lisa Cholodenko, Darsteller: Julianne Moore, Annette Bening, Mark Ruffalo, ab 12, 104 min

16.2. "Abbitte" 17.30/20.30

Im Rahmen der Literarischen Woche präsentieren wir in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule den Film „Abbitte“

England im Jahre 1935. Ein heißer Sommer auf dem Landsitz der Familie Tallis. Cecilia (Keira Knightley), die Tochter des Hauses, verliebt sich in Robbie Turner (James McAvoy), den Sohn des Hausmeisters. Ihre 13-jährige Schwester Briony (Saoirse Ronan) beneidet Cecilia um diese junge, zarte Liebe. Aus dieser kindlichen Verletztheit heraus steigert sich Briony in ihre negativen Gefühle hinein, behauptet schließlich, Robbie habe einem anderen Mädchen Gewalt angetan. Sie löst damit eine Kette fataler Geschehnisse aus, die unumkehrbar sind. Dann kommt der Krieg und Robbie muß hinaus auf das Schlachtfeld. Und Briony versucht mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln, das von ihr begangene Unrecht  wieder gutzumachen. „Abbitte“ ist eine perfekte und sehr aufwendige filmische Adaption des gleichnamigen Romans von Ian McEwan. Die lang erwartete Literaturverfilmung ist ein breit angelegtes Epos. Der Regisseur Joe Wright bietet eine detaillierte Beschreibung der zeitgenössischen englischen Gesellschaft. Und nicht zuletzt zeigt er, wie die Liebe mit all ihren Irrungen und Wirrungen das Schicksal der Menschen bestimmt.

Großbritannien 2007, Regie: Joe Wright, Darsteller: Keira Knightley, James McAvoy, Saoirse Ronan, ab 12, 118 min

23.2. "Still Walking" 18.00/20.30

Sommer in einer kleinen Stadt an der japanischen Küste. Das Ehepaar Yokohama hat die Familie eingeladen. Wie jedes Jahr. Auch der Anlass des Zusammentreffens ist immer gleich. Neben Essen, Trinken, Fernsehen  gibt es eigentlich nur ein Thema, das Gedenken an Jumpei, den vor Jahren tödlich verunglückten ältesten Sohn des Hauses. Vater Shohei und Mutter Toshiko machen ihrem zweiten Sohn Ryota jedes Mal aufs neue klar, dass Jumpei für sie immer der erste bleiben wird. Hinzu kommt, dass Ryota, ohne die Eltern zu fragen, geheiratet hat, seine Frau Yukari bekommt das zu spüren. Die eisige Zurückweisung durch den Vater, die subtilen Verletzungen durch die Schwiegermutter trüben den Sonnenschein. An dramatischer Handlung passiert so gut wie nichts in diesem Film. Wie kann das gut gehen? Dem Regisseur Hirokazu Kore-eda gelingt das nahezu Unglaubliche. Man kann sich kaum losreißen von diesem Erzählfluss voller banaler familiärer Verrichtungen, alltäglicher Tätigkeiten und nichtiger Streitigkeiten, die ohnehin kaum ausgetragen werden. Kore-eda spürt das Besondere im scheinbar Unwichtigen und Alltäglichen auf  Aus nichts Kunst hervor zu zaubern, das ist schon so etwas wie ein Geniestreich.    

Japan 2008, Regie: Hirokazu Kore-eda, Darsteller: Hiroshi Abe, Yoshio Harada, Kirin Kiki, ohne Altersbeschränkung, 114 min