2.3. Ein Mann von Welt 18.00/20.30
Ulrik (Stellan Skarsgard) ist nach zwölfjähriger Haft gerade den schwedischen Gardinen entronnen, und es stellt sich die Alternative, das frühere Leben wiederaufzunehmen oder vielleicht ein neues zu beginnen. Ulrik würde gerne völlig neu anfangen, Frau und Sohn wiedersehen, eine Arbeit finden und die ganze kriminelle Altlast in die Tonne drücken. Es läßt sich auch alles recht vielversprechend an mit einem Job in einer Autowerkstatt und kostenloser Unterkunft. Seine Vermieterin, schon älter an Jahren, verlangt als Gegenleistung lediglich die regelmäßige Befriedigung ihrer erotischen Gelüste. Doch da taucht plötzlich Ulriks alter Gangsterfreund Jensen auf und bedrängt ihn, sich an dem Verräter zu rächen, der sie einst verpfiffen hat… Der norwegische Regisseur Hans-Petter Moland präsentiert bodenständigen, schwarzen Humor, kurzweilige Dialoge und jede Menge skurrile Charaktere. Die Tragikomödie „Ein Mann von Welt“ reiht sich ganz natürlich ein in die beste Tradition typisch skandinavischen Kinos.
Norwegen 2010, Regie: Hans-Petter Moland, Darsteller: Stellan Skarsgard, Jorunn Kjellsby, Björn Floberg, ab 12, 103 min
3.3. Maritimes Kino: Eisenfresser 19.30
In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Schiffahrtsmuseum präsentieren wir den Dokumentarfilm „Eisenfresser“. Ort der Aufführung ist das Schiffahrtsmuseum. Der Film soll den Auftakt bilden zu der neuen Filmreihe „Schiffe – Häfen – Meere“, die in loser Folge Spiel- und Dokumentarfilme zum Thema bieten wird.
Auch Tanker und Containerschiffe kommen in die Jahre und müssen irgendwann entsorgt werden. Unter anderem geschieht dies an den Stränden von Chittagong in Bangla Desch. Angeheuerte Saisonarbeiter zerlegen dort, mehr oder weniger von Hand, die ausgemusterten Dampfer. Gefährlichste und härteste Knochenarbeit, die die Männer nur deswegen übernehmen, weil sie ansonsten der jährlichen Hungersnot völlig ausgeliefert wären. Der Regisseur Shaheen Dill-Riaz konfrontiert uns in seinem Dokumentarfilm schonungslos mit dem ausgeklügelten System von Ausbeutung und Abhängigkeit. Eindrucksvoll komponierte Bilder und atemberaubende Totalaufnahmen vermitteln intensiv die existentielle Not der Arbeiter, die im wahrsten Sinne des Wortes ihre Haut zu Markte tragen müssen.
Der Regisseur Shaheen Dill-Riaz wird den Film begleiten.
Deutschland 2007, Regie: Shaheen Dill-Riaz, Dokumentarfilm, Original mit Untertiteln, 85 min
9.3 Nowhere Boy 18.00/20.30
John Lennon (Aaron Johnson), wie ihn vermutlich kaum einer kennt. Als 15-jähriger wächst er bei seiner konservativen Tante Mimi (Kristin Scott-Thomas) auf. Da trifft er seine Mutter Julia (Anne-Marie Duff) wieder, die den damals Fünfjährigen überstürzt verlassen hatte. Julia ist das Gegenteil ihrer Schwester, progressiv und musikbegeistert, und öffnet dem jungen John den Weg zum Rock’n Roll. Als sie bei einem Autounfall ums Leben kommt, wird John wieder zum „Nowhere Boy“. Auch wenn dieser Filmtitel natürlich eine Anspielung auf den Beatles-Song „Nowhere Man“ ist, seien Beatles-Fans hier vorgewarnt. Weder die Fab Four noch deren Songs spielen in diesem Film eine Rolle. Schließlich sehen wir in „Nowhere Boy“ das Liverpool der Endfünfziger Jahre, und da gab es das weltberühmte Quartett noch gar nicht. Die Regisseurin Sam Taylor Wood konzentriert sich völlig auf die Jugendjahre John Lennons, mit drei großartigen Hauptdarstellern und einer bis ins Detail stimmigen Ab- und Nachbildung der Zeit um 1960 an den Ufern des Mersey.
Großbritannien 2010, Regie: Sam Taylor Wood, Darsteller: Aaron Johnson, Kristin Scott-Thomas, Anne-Marie Duff, ab 12, 98 min
16.3 Another Glorious Day 18.00/20.30
Das Theaterstück „The Brig“ (Der Knast) von Kenneth H. Brown war 1963 mehr als ein Skandal in den USA. Es war geradezu eine Kriegserklärung an die US-Regierung. Im Stück wird in komprimierter Form der Tagesablauf in einem US-Militärgefängnis in Japan dargestellt. Erniedrigung der Gefangenen, körperliche und seelische Gewalt bis hin zur Folter. Das aufführende Living Theatre in New York wurde denn auch gleich nach der Premiere geschlossen, wegen Steuerschulden… Ein Jahr später erlebte „The Brig“ seine deutsche Erstaufführung in der Berliner Akademie der Künste. Im Jahre 2008 kehrte das immer noch aktive Living Theatre mit dem Stück erneut nach Berlin zurück. Die Filmemacher Karin Kaper und Dirk Szuszies haben mit „Another Glorious Day“ die Wiederaufführung dokumentiert. In einem Wechsel aus Totalaufnahmen und Handkamera-Sequenzen folgt der Film dem Spiel der Darsteller, erfaßt sie als Ensemble, um im nächsten Moment zu Detailaufnahmen zu wechseln. Interviews mit Beteiligten runden das Ganze ab. Vor dem Hintergrund des Skandals um das Lager in Guantanamo gewinnt die Neuaufführung eine ganz neue Aktualität. Staatlich sanktionierte Folter stirbt eben nicht aus, weder in US-Einrichtungen noch irgendwo anders.
Deutschland 2009, Regie: Dirk Szuszies und Karin Kaper, Dokumentarfilm, 95 min
23.3. Von Menschen und Göttern 18.00/20.30
Ein Kloster in einem bettelarmen Dorf im algerischen Atlas-Gebirge. Trappistenmönche leben hier in friedlicher Eintracht mit den moslemischen Dorfbewohnern. Da kommt es zu blutigen Anschlägen islamistischer Fundamentalisten auf benachbarte kroatische Arbeiter. Die Idylle ist zerstört, bei den Mönchen verbreitet sich die Angst, sie könnten die nächsten Opfer sein. Die Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit. Im März 1996 wurden sieben der neun Mönche von einer Terroreinheit entführt und Wochen später unter nicht ganz geklärten Umständen ermordet. Mit „Von Menschen und Göttern“ ist dem französischen Regisseur Xavier Beauvois eine heikle Gratwanderung gelungen. Sein Film handelt von den Angriffen, denen das Christentum in islamischen Ländern ausgesetzt ist. Beauvois geht es aber viel mehr um den inneren Konflikt der Mönche, die vor der Entscheidung stehen, Algerien zu verlassen oder zu bleiben. Und: Wie kann man in dieser lebensgefährlichen Umgebung den Glauben an die Vernunft und die eigenen Überzeugungen bewahren, wie im Angesicht des möglichen Todes für die Nächstenliebe eintreten? Ein stiller, spiritueller Film von beispielloser Sensibilität. Das Meisterwerk stand in Frankreich wochenlang an der Spitze der Charts und geht ins Rennen um den aktuellen Auslands-Oscar.
Frankreich 2010, Regie. Xavier Beauvois, Darsteller: Lambert Wilson, Michael Lonsdale, Farid Larbi, ab 12, 120 min
30.3. Somewhere 18.00/20.30
Der Schauspieler Johnny Marco (Stephen Dorff) hat gerade seinen neuesten Blockbuster zu Ende gedreht und macht nun wieder das, was er am liebsten tut. Parties, Alkohol, wilde Autofahrten und Frauen, das alles prägt seinen Alltag. Doch im Grunde genießt Johnny dieses Leben nicht, es langweilt ihn unendlich. Erst als er für eine Übergangszeit auf Cleo (Elle Fanning), seine 10-jährige Tochter aus einer früheren Beziehung, aufpassen soll, ändert sich seine Situation. Die unvermittelte Nähe zu seinem Kind bringt ihn zum Nachdenken. Mit Cleo füllt nach langer Zeit wieder etwas Echtes und Ehrliches die Leere in seinem Leben. Die Regisseurin Sofia Coppola erzählt in ihren Filmen von Menschen, die im goldenen Käfig eingesperrt sind, seien es Bill Murray und Scarlett Johansson in „Lost in Translation“ oder die französische Monarchin in „Marie Antoinette“. Damit setzt sich die Regisseurin mit ihrem eigenen Leben auseinander und tut dies in „Somewhere“ ganz besonders – als Tochter des großen Francis Ford Coppola. Kein Wunder, daß sie für diesen Film auch das Drehbuch geschrieben hat und dieses besonders stimmig geraten ist. Und auch die Besetzung der Hauptrollen hätte nicht besser ausfallen können. Sowohl Stephen Dorff als auch Elle Fanning begeistern in den Rollen als Vater und Tochter.
USA 2010, Regie: Sofia Coppola, Darsteller: Stephen Dorff, Elle Fanning, Chris Pontius, ab 12, 93 min