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10.08.2011 Mütter und Töchter 18.00/20.30

Drei Frauen in Los Angeles, drei
Leben, die schicksalhaft miteinander verbunden sind – davon erzählt „Mütter und
Töchter“. Der kolumbianische Regisseur Rodrigo Garcia erkundet die seelische
Befindlichkeit unterschiedlicher Generationen: Die 14-jährige Karen wird
ungewollt schwanger und muss ihre Tochter zur Adoption freigeben. Erst als ihre
schwerkranke Mutter, Jahrzehnte später, stirbt, kann sie sich auf die Suche
nach ihrem Kind und ihrer Vergangenheit machen. Für Elizabeth, 37 und
erfolgreiche Anwältin, steht ihre persönliche Unabhängigkeit über allem –
solange bis sie schwanger wird. Und zuletzt Lucy, die vergeblich versucht hat,
ein Kind zu bekommen und ihre letzte Hoffnung darin setzt, eines zu adoptieren.
„Mütter und Töchter“ ist ein Film über Abhängigkeiten, von Müttern ihren Töchtern gegenüber und andersherum. Eine
großartige Schauspieler-Schar ist hier versammelt. Annette Benning glänzt in
der Rolle der schwer zugänglichen Karen und Elizabeth findet sich mit Naomi
Watts treffend besetzt, Lucy wird von Kerry Washington verkörpert. Männer
spielen in diesem Film nur eine untergeordnete Rolle, aber auch hier begegnen
einem wohlbekannte Gesichter. Zuvorderst wäre Samuel Jackson als Familienvater Paul
zu nennen – selten hat man Jackson so gefühlvoll zu Gesicht bekommen. Regisseur
Garcia hat eine glückliche Auswahl getroffen. Große Darstellerkunst in einem
einfühlsamen, aber nie rührseligen Film.

USA 2009, Regie: Rodrigo Garcia,
Darsteller: Annette Benning, Naomi Watts, Kerry Washington, Samuel Jackson, ab
12, 125 min    

17.08.2011 Benda Belili 18.00/20.30

Ricky hatte einen Traum:
Aus „Staff Benda Belili“ die beste Band des Kongo zu machen. Er hat es geschafft. Die
französischen Filmemacher Renaud Barret und Florent de la Tullaye sorgten
dafür, dass die Musiker so richtig durchstarten konnten. Die beiden Regisseure
sahen und hörten die Gruppe auf den Straßen Kinshasas und beschlossen, deren
erste CD zu produzieren und die Band dabei zu filmen. Das Ergebnis: „Benda
Belili“ lief hoch umjubelt 2010 bei den Filmfestspielen in Cannes und die
Musiker begaben sich auf Europatournee. Das klingt alles ein bisschen nach
Märchenstunde und Tellerwäscher wird Millionär und kommt auf dieser Welt sicher
selten vor. Aber in diesem Fall klappte es und das liegt ganz einfach an der
grandiosen Musik, die man hier zu hören bekommt. Die Instrumente sind entweder
selbstgebaut oder steinalt, aber das macht überhaupt nichts. Wenn die
Straßenmusiker aus Kinshasa loslegen, erklingt ein hypnotisierender
afrikanischer Soul mit Einflüssen aus Rhythm’ and Blues, Reggae und kubanischer
Nonchalance. Magische Klänge aus dem Herzen Afrikas. „Benda Belili“ ist ein
Film über den unerschütterlichen Glauben der Musiker an die eigene Kraft, einen
Glauben, der über widrigste Umstände siegt. Ihr leidenschaftlicher Widerstand
gegen alles Unglück ist eine Lektion fürs Leben.

Frankreich 2010, Regie: Renaud
Barret und Florent de la Tullaye, Dokumentarfilm, Original mit Untertiteln, ab
6, 84 min

24.08.2011 Joschka und Herr Fischer 17.45/20.30

Er war 68-er Aktivist, Taxifahrer
und Sponti. Er wurde Abgeordneter der Grünen, der erste Umweltminister in
Turnschuhen und später Außenminister unter Gerhard „Ich will da rein“ Schröder.
Der Regisseur Pepe Danquart stellt uns das 
alles ausführlich vor, die Lebensgeschichte des Joseph Joschka Fischer
und begibt sich damit gleichzeitig auf eine Zeitreise durch 60 Jahre jüngster
deutscher Vergangenheit. Aber Danquart zeigt keine normale Dokumentation,
wie man sie schon so oft gesehen hat. Das war ihm zu langweilig.
Er nutzt sein filmisches Archivmaterial bahnbrechend neu.
Der Regisseur schnitt 24 kurze Filme in einer Länge von jeweils drei Minuten
zusammen und ließ sie als Endlos-Schleifen auf große Glasflächen projizieren.
Vollkommen unvorbereitet begibt sich Fischer in diese Szenerie hinein und
beginnt die Bilder zu kommentieren. So erscheint der doppelte Fischer auf der
Leinwand. Der draufgängerische Joschka auf der Glaswand und davor der gealterte
Ex-Politiker, der nonchalant seinen Lebensweg nacherzählt. Gedreht wurde das
ganze in einem ehemaligen Berliner Heizkraftwerk, dem legendären Techno-Club
„Tresor“. Dass jede Menge Zeitzeugen zu Worte kommen sei auch noch erwähnt, von
Katharina Thalbach über Hans Koschnick bis zu den Düsseldorfer Fehlfarben.
Schlussendlich erfährt man auch noch die ultimative Wahrheit über die legendäre
Vereidigung im hessischen Landtag: „Ich hätte lieber andere Schuhe angezogen
als diese Turnschuhe.“

Deutschland 2011, Regie: Pepe
Danquart, Darsteller: Joschka Fischer, Daniel Cohn-Bendit, Hans Koschnick,
Dokumentation, ab 6, 140 min

31.08.2011 Waste Land 18.00/20.30

Am Ende steht der Müll. Alles,
was die brasilianische Metropole Rio de Janeiro an Abfall produziert, landet
hier, im Jardim Gramacho. Der Garten
Gramacho ist gar keiner, sondern das Gegenteil, die größte Mülldeponie
Brasiliens. Hier leben die Catadores,
die Müllsammler. Sie halten sich damit über Wasser, den noch irgendwie
verwertbaren Unrat zu verkaufen. Da ist der alte Mann, der nie eine Schule
besucht hat und doch so großartig über das Leben philosophieren kann. Oder der
umtriebige Intellektuelle, der sich mit Vorliebe Bücher aus dem Müllhaufen
fischt. Und schließlich die junge Frau, die lieber vom Abfall anderer Leute
lebt als auf den Strich gehen zu müssen. Sie alle porträtiert die englische
Regisseurin Lucy Walker in diesem tief beeindruckenden Dokumentarfilm. Es ist
schon großartig und bewundernswert, wie sich diese Ärmsten der Armen in ihrem
elenden Leben auf der Müllhalde die menschliche Würde bewahrt haben. Aber der
Film will noch mehr. Lucy Walker wird begleitet von dem brasilianischen
Künstler Vik Muniz. Der inszeniert Fotos mit den Müllsammlern. Heraus kommt
kein billiger Voyeurismus, sondern große Portrait-Kunst. Das liegt schon
alleine daran, dass Muniz selbst aus ärmlichen Verhältnissen stammt und dies
nie vergessen hat. Er ist gewillt, den Catadores
ein Denkmal zu setzen. Dass er dies geschafft hat, beweisen die zahlreichen
Preise, die „Waste Land“ beim Sundance-Festival sowie bei der Berlinale abgeräumt hat.
Ein Film über den Müll, die Armut, die Kunst und die Würde des Menschen.

Brasilien/Großbritannien 2010,
Regie: Lucy Walker, Dokumentation, Original mit Untertiteln, ohne
Altersbeschränkung, 98 min