Kommunales Kino Bremerhaven > Filmarchiv > 2011 > Koki Filmprogramm 11.2011

02.11.2011 Angele und Tony 18.00/20.30

Tony, ein Fischer aus einem
verschlafenen normannischen Dorf, lernt Angele kennen, eine Frau aus der großen
Stadt, wahrscheinlich Paris. Eine Kontaktanzeige hat das Ganze angebahnt und am
Anfang geht alles schief, was nur schief gehen kann. Die beiden sind und
bleiben sich fremd, auch nach den ersten Treffen in der Kneipe des
Fischerdorfes. Was will Angele überhaupt in dem Nest an der Küste? Das
Geheimnis wird bald gelüftet: Sie hat einen Sohn, der von den Großeltern
aufgezogen wird und verspricht sich von einer neuen Beziehung handfeste
Vorteile im Kampf um das Sorgerecht für das Kind. Aber unmerklich geschieht das
eigentlich Undenkbare. Angele und Tony kommen sich langsam immer näher,
überwinden ihr Misstrauen und ihre Einsamkeit, lernen, behutsam miteinander
umzugehen. Die sich entwickelnde zarte Liebesgeschichte kann es so, und vor
allem so glaubwürdig, eigentlich nur im französischen Film geben. Der
Regisseurin Alix Delaporte und ihrem beeindruckenden Ensemble gelingt das
Kunststück, von Heilung, Liebe und Freundschaft zu erzählen, ohne zu lügen.
Manche Knoten lösen sich eben wirklich mit Zeit und mit Ruhe.  

Frankreich 2010, Regie: Alix Delaporte, Darsteller: Clotilde Hesme,
Gregory Gadebois, Evelyne Didi, ab 6, 87 min

03.11.2011 Kai des Aufbruchs 19.30

Sonderveranstaltung
im Deutschen Schiffahrtsmuseum in der Reihe „Maritimes Kino“,
Veranstalter Deutsches Schiffahrtsmuseum in Verbindung mit
dem Kommunalen Kino Bremerhaven und dem Kulturladen Grünhöfe,
die Regisseurin Brigitte Krause wird den Film begleiten

Das Steubenhöft in Cuxhaven war über hundert Jahre lang Ausgangsstation
für viele Auswanderer in die Neue Welt.  Heute ist es  der vergessene Hafen der europäischen
Auswanderung.  Für die Filmemacherin
Brigitte Krause war es Liebe auf den ersten Blick. Sie umwandert mit
sehnsuchtsgefüllten Bildern diesen einzig noch als Hafen betriebenen
Auswandererstandort an der deutschen Nordseeküste. Deutschland 2011, Regie:
Brigitte Krause, mit der Theatergruppe Das Letzte Kleinod, Kadir Soytürk,Giora
Feidman & dem Gershwin Quartett u.a., ohne Altersbeschränkung, 80 min

09.11.2011 Aber das Leben geht weiter 17.45/20.30

In Kooperation mit der Landeszentrale
für politische Bildung,
Außenstelle Bremerhaven

Flucht und Vertreibung sind
wichtige Themen in Norddeutschlan
d!

Ein bewegender Film über den
Verlust der Heimat aus dem Blickwinkel persönlich betroffener Frauen

Bremen und Orte in Niedersachsen
sind wesentliche Schauplätze des Films

 

ABER DAS LEBEN GEHT WEITER

 

Ein Dokumentarfilm von Karin
Kaper und Dirk Szuszies

 

2011, 104 Minuten, FSK ab 12
Jahren

In Anwesenheit der 79 Jahre
jungen Protagonistin Ilse Kaper aus Bremen und der Regisseurin Karin
Kaper

Drei polnische und drei deutsche
Frauen aus mehreren Generationen, deren Familiengeschichte sich nach
Ende des Zweiten Weltkrieges auf dramatische Art kreuzte, setzen
bewusst persönlich zum Thema „Flucht und Vertreibung“ ein Zeichen der
Annäherung. Ein Film über Heimat, Krieg, über das Überleben in der
Fremde, darüber wie die große Geschichte in das Dasein der Menschen
hineinblitzt und die Lebensbahnen durcheinanderwirbelt.

 

Der Film erzählt sehr privat ein
jahrzehntelanges besonderes Kapitel in den deutsch-polnischen
Beziehungen. Kommentarlos kommen die Frauen zu Wort und lassen
den Betrachter Anteil nehmen an ihrer subjektiven Sicht der Ereignisse.
Der Film berücksichtigt nicht nur die erschütternden Vorkommnisse in
den Kriegswirren bis zur endgültigen Vertreibung der deutschen Familie
aus ihrem niederschlesischen Dorf Niederlinde im Sommer 1946.

Er wirft auch ein Licht auf die Entwicklungen der Nachkriegszeit sowie
spätere Jahrzehnte bis heute. Dem Schicksal der Deutschen, die später
in Bremen und Umgebung eine zweite Heimat fanden, wird das der
polnischen Familie gegenübergestellt, die ihrerseits 1940 von der
sowjetischen Armee aus Ostgebieten Polens nach Sibirien verschleppt
wurde.

Nach einer unglaublichen sogar bis Kirgistan führenden Odyssee bekam
sie schließlich im Sommer 1945 den Hof der Deutschen zugesprochen.
Das ehemalige Niederlinde heißt heute Platerówka und liegt 25 km
von Görlitz entfernt.

 

Ein Film, der auch für die Debatte
über aktuelle Flüchtlingsströme und Migrationsbewegungen von große
Bedeutung ist! Ein Film, der rein aus dem Blick der betroffenen Frauen
Machtmissbrauch und Verletzung elementarer Menschenrechte

bewegend veranschaulicht.

16.11.2011 Der zerbrochene Krug 18.00/2030

Im Rahmen der Kleist-Tage Bremerhaven präsentieren wir Gustav Usickys
Literaturverfilmung von Kleists berühmtem gleichnamigem Lustspiel. Vor Beginn
jeder Vorstellung wird der ehemalige Intendant des Stadttheaters Dr. Dirk
Böttger in den Film einführen, unter besonderer Berücksichtigung der
Schauspieler-Legende Emil Jannings.

Wer hat den Krug der braven
Bürgersfrau Marthe Rull zerdeppert? Sie gibt Ruprecht Tümpel, dem Verlobten
ihrer Tochter Eve, die Schuld. Der eigentliche Verursacher ist allerdings
Dorfrichter Adam, den Ruprecht in flagranti bei Eve erwischt und ihm dann mit
dem besagten Krug kräftig eins übergezogen hatte. Adams Versuche, den Skandal zu
vertuschen, gehen fehl; am Ende siegt die Gerechtigkeit. Der Klassiker von 1937
glänzt mit einer erlesenen Darsteller-Riege, angeführt von Schauspieler-Legende
Emil Jannings als Dorfrichter Adam.

Deutschland 1937, Regie: Gustav
Usicky, Darsteller: Emil Jannings, Lina Carstens, Paul Dahlke, ab 12, 81 min,
DVD-Projektion

23.11.2011 Nader und Simin 18.00/20.30

Simin möchte sich von ihrem Mann
Nader scheiden lassen, um mit ihrer Tochter den Iran verlassen zu können. Nader
hat sich zuvor geweigert mitzugehen, da er seinen an Alzheimer erkrankten Vater
nicht allein zurücklassen will. Als das Gericht die Scheidung ablehnt, zieht
Simin aus der gemeinsamen Wohnung aus, ihre Tochter entscheidet sich, beim
Vater zu bleiben. Für die Pflege seines Vaters stellt Nader die junge Razieh
ein, doch die ist damit überfordert und außerdem weiß ihr jähzorniger Ehemann
nichts davon. Das kann nicht lange gut gehen. Regisseur Asghar Farhadi erzählt
eine Parabel über Schuld und Vertrauen in zwischenmenschlichen Beziehungen. Ganz
nebenbei erfährt der Zuschauer eine Menge über den schwierigen Alltag der
Menschen im Iran. Farhadi ist ein Meister der subtilen Gesellschaftsanalyse,
der vordergründige politische Anspielungen geschickt umgeht. Das muss er auch,
denn sonst könnte er keine Filme mehr drehen und würde mit Berufsverbot belegt
und zu einer Gefängnisstrafe verurteilt werden. Natürlich war es auch eine
politische Entscheidung der Berlinale-Jury, den Goldenen Bären in diesem Jahr
an den Iran zu vergeben. Aber auch wenn man einen gewissen Solidaritätsbonus
abzieht, bleibt Farhadis Familiendrama „Nader und Simin“ ein starkes und
künstlerisch überzeugendes Stück Kino.

Iran 2011, Regie: Asghar Farhadi, Darsteller: Leila Hatami, Peyman
Moadi, Shabab Hosseini, ab 12, 123 min.

30.11.2011 Midnight in Paris 18.00/20.30

Paris gilt als die Stadt der
Liebe, aber die beiden Verlobten Gil (Owen Wilson) und Inez (Rachel McAdams)
suchen bei ihrem Paris-Aufenthalt etwas ganz anderes. Drehbuchautor Gil erhofft
sich vom Pariser Flair Inspiration für seinen neuen Roman und Inez zieht es
vor, sämtliche Antiquitäten-Läden der Stadt leer zu kaufen. Ihre Eltern sind
zufällig auch vor Ort und machen keinen Hehl aus ihrer Abneigung gegenüber
Paris im allgemeinen und ihrem zukünftigen Schwiegersohn im besonderen. Also
streunt Gil alleine durch die Stadt und eines Nachts passiert es. Ein Oldtimer
hält neben ihm an und bringt ihn in einer Art Zeitreise zurück in das Paris der
zwanziger Jahre. Gil bekommt jetzt reichlich Gesellschaft, das gesammelte
Künstler-Milieu der Epoche wird ihm vorgestellt: Ernest Hemingway, Salvador
Dali, Pablo Picasso, Gertrude Stein, um nur die bekanntesten aufzuzählen. Mit
denen tritt Gil in regen Gedankenaustausch, entdeckt ihre Marotten und sein
eigenes Ich. Woody Allens Komödie „Midnight in Paris“ ist eine einzige
nostalgisch gefärbte Sehnsuchts-Phantasie über die „Goldenen Zwanziger“ und
ihre Protagonisten. Die Kamera hüllt Paris in magischen Glanz und gibt der
Traumwelt und der Liebe die größte Chance. Diese charmante und märchenhafte
Reise ist Woody Allens sage und schreibe 42. Regiearbeit. Der überzeugte New
Yorker hat jetzt filmmäßig Barcelona, London und Paris abgearbeitet.
Möglicherweise sehen wir ihn das nächste Mal am Forum Romanum und im Schatten
des Kolosseums wieder…

USA 2011, Regie: Woody Allen,
Darsteller: Owen Wilson, Rachel McAdams, Michael Sheen, ohne
Altersbeschränkung, 94 min