07.12.2011 Blue Valentine 18.00/20.30
Die Ehe von Dean (Ryan Gosling) und Cindy (Michelle Williams) ist am Ende. Da hilft auch kein letzter, verzweifelter Rettungsversuch mehr. Beide verbringen eine Nacht in einem futuristischen Love Motel, in der Hoffnung, alles könne noch einmal eine gute Wendung nehmen. Aber der Zuschauer sieht sofort: da ist nichts mehr zu machen. Dabei hatte vor sechs Jahren alles so schön angefangen, Cindy meinte, ihren absoluten Traum-Mann gefunden zu haben, mindestens. In Rückblenden fängt Regisseur Derek Cianfrance die Leichtigkeit des gegenseitigen Verliebtseins ein. Später folgen die zermürbenden Spuren des Ehealltags, die Williams und Gosling ganz subtil zum Ausdruck bringen. Ohne dickes Make-Up altern sie sozusagen vor der Kamera und vor ihrer kleinen Tochter Frankie (Faith Wladyka). „Blue Valentine“ ist reinstes amerikanisches Independent-Kino, in dem sich beide Hauptdarsteller aus vollem Herzen dem Wechselbad der Gefühle hingeben. Ihre Darbietung zähle zu den „explosivsten und emotional schonungslosesten“, die man auf der Leinwand finde, schwärmte der Kritiker des „Rolling Stone“. Eine Oscar-Nominierung für Michelle Williams war der Lohn.
USA 2010, Regie: Derek Cianfrance, Darsteller: Michelle Williams, Ryan Gosling, Faith Wladyka, ab 12, 112 min
14.12.2011 Le Havre 18:00 / 20:30
Es war einmal ein armer Schuhputzer in der französischen Hafenstadt Le Havre. Marcel Marx (Andre Wilms) wollte früher einmal ein bekannter Autor werden, gereicht hat es dazu aber nicht ganz. Jedoch beklagt er sein Schicksal nicht, sondern genießt das Gläschen Wein in seiner Stammkneipe, die Treue seines Hundes Laika und die Liebe seiner Frau Arletty (Kati Outinen). Da trifft er auf einen jungen Flüchtling aus Afrika (Blondin Miguel), der von der Polizei gesucht wird. Spontan hilft er dem Jungen und versteckt ihn. Schuheputzen bringt er ihm auch noch bei. Die Nachbarschaft sieht großzügig darüber hinweg, was sich da abspielt und selbst der knurrige Polizei-Inspektor drückt ein Auge zu. Klingt nach saftigem Sozialkitsch zur Weihnachtszeit nach dem Motto: Und wenn man glaubt, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Kaurismäki her. Nicht doch ! Der finnische Regisseur inszeniert das ganze so schlicht und ergreifend und gleichzeitig so magisch und stimmungsvoll, dass er die Leinwand regelrecht zum Leuchten bringt. Ein Sozialmärchen, aber ein unwiderstehliches, das in Cannes von Presse und Publikum tosenden Beifall einfuhr. Ein weiterer Film des wortkargen Finnen mit Kultpotential, na ja, es sind eigentlich alle…
Finnland/Frankreich 2011, Regie: Aki Kaurismäki, Darsteller: Andre Wilms, Kati Outinen, Blondin Miguel, Laika, ohne Altersangabe , 93 min
21.12.2011 The Guard - Ein Ire sieht schwarz 18.00 / 20.30
Die erste Szene geht gleich mitten in die vollen. Sergeant Gerry Boyle (Brendan Gleeson) sieht auf der Landstraße ein Auto verkehrswidrig auf sich zu und an sich vorbeirasen. Cooles Jungvolk im Wagen, mit noch cooleren Gesten und Sprüchen. Boyle tut nichts, er kennt die nächste Kurve. Die ist viel zu eng für den schnellen Boliden. Boyle wendet seelenruhig und sammelt an der Unfallstelle die Drogen ein, die die Jungspunde bei sich führten, zum persönlichen Verbrauch bzw. Verkauf, versteht sich. Die Unfallopfer ignoriert er völlig. Ein Mann mit sehr eigenem Humor und mit einem Gemüt so rau wie die irische Landschaft. Als Dorfpolizist mag das so durchgehen. Da taucht der FBI-Kollege Wendell Everett (Don Cheadle) aus dem fernen Amerika auf und bittet ihn um Unterstützung bei einem Einsatz gegen einen internationalen Drogenschmuggler-Ring. Everett kennt sich zwar mit richtig bösen Kriminellen aus, besitzt jedoch feine Manieren und ist außerdem schwarz. Das alles passt dem knurrigen Boyle überhaupt nicht, doch es bleibt den beiden nichts anderes übrig, als sich um des lieben Erfolges willen miteinander zu arrangieren. Der Regisseur John Michael McDonagh hat mit „The Guard“ eine Action-Komödie gedreht, die sich gewaschen hat, erfrischend, intelligent und politisch völlig inkorrekt. Einen derartig schwarzen Humor sah man zuletzt in Josef Haders „Knochenmann“. Die deutsche Synchronisation wird hier, möglicherweise, einige Ecken und Kanten glätten, aber das irische Original wäre dem geneigten Publikum auf gar keinen Fall zuzumuten: Bei der Premiere des Films auf der letzten Berlinale ließ der schwere irische Akzent die deutschen Zuschauer ratlos zurück…
Irland 2011, Regie: John Michael McDonagh, Darsteller: Brendan Gleeson, Don Cheadle, Liam Cunningham, ab 16, 96 min
28.12.2011 4 Tage im Mai 18:00/20:30
Kriegsfilme, insbesondere über den Zweiten Weltkrieg, gibt es eigentlich schon genug. Es wurde alles bereits zehnmal erklärt und ausführlich dargestellt. Aber bei „4 Tage im Mai“ erfährt der Zuschauer tatsächlich noch etwas Neues. Regisseur Achim von Borries hat sich eine wahre Begebenheit aus den allerletzten Kriegstagen in Ostpreußen im Mai 1945 vorgenommen. Auf einem Gutshof, der als Waisenhaus dient, treffen deutsche Soldaten mit einer kleinen Einheit Rotarmisten zusammen. Obwohl es zuerst nach Konfrontation aussieht, zeigt es sich doch bald, dass beide Seiten des Krieges müde sind und eigentlich nur noch eines wollen, nach Hause. Es entsteht eine Art Waffenstillstand, sogar teilweise eine vorsichtige Annäherung. Als ein russisches Panzerbataillon auftaucht, eskaliert die Lage, aber anders als gedacht. Weil die Panzersoldaten sich an den im Haus lebenden Mädchen vergreifen wollen, kämpfen nun Russen, von den Deutschen unterstützt, gegen ihre eigenen Landsleute. Vertraute Fronten gibt es nicht mehr, die Grenze verläuft jetzt nicht mehr zwischen Freund und Feind, sondern zwischen Gut und Böse. Von Borries entwickelt die Geschichte zurückhaltend wie ein Kammerspiel. „4 Tage im Mai“ ist ein Kriegsfilm ohne Krieg und das macht ihn so überaus sehenswert. Er zeigt, wie absurd dieser Krieg gewesen ist und dass Werte wie Mitgefühl, Vertrauen und Menschlichkeit, wenn man sie denn lässt, eine viel größere Wucht haben als der brutale Kampf an der Front.
Deutschland/Russland 2011, Regie: Achim von Borries, Darsteller: Alexej Guskow, Gertrud Roll, Pawel Wenzel, ab 12, 97 min